Warum Nähe mehr ist als ein Bildschirmkontakt
- Simone Baur
- 22. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Und wie wir digitale Kommunikation sinnvoll nutzen können, ohne echte Beziehungen zu verlieren

Wir leben in einer Zeit ständiger Erreichbarkeit. Nachrichten, Sprachnotizen und Videocalls vermitteln uns das Gefühl, immer verbunden zu sein. Und doch erleben viele Menschen genau das Gegenteil. Sie fühlen sich trotz permanenter Kommunikation emotional distanziert, nicht wirklich gesehen und innerlich allein.
Ein aktueller Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift Perspectives on Psychological Science bringt dieses Spannungsfeld deutlich zum Ausdruck. Digitale Interaktionen sind besser als gar kein Kontakt, erreichen jedoch nicht die emotionale Tiefe persönlicher Begegnungen. Zu diesem Schluss kommen Baumeister und Kolleginnen und Kollegen in ihrer umfassenden Analyse psychologischer Studien aus dem Jahr 2025.
Warum persönliche Interaktionen für Beziehungen unverzichtbar sind
Wenn Menschen sich von Angesicht zu Angesicht begegnen, geschieht weit mehr als ein Austausch von Informationen. Mimik, Blickkontakt, Körperhaltung und kleine Pausen im Gespräch erzeugen emotionale Resonanz. Diese Resonanz ist die Grundlage von Vertrauen, Nähe und Bindung.
Die Forschung zeigt klar, dass persönliche Begegnungen stärkere positive Emotionen hervorrufen, ein höheres Maß an Engagement erzeugen und Beziehungen langfristig stabilisieren. Digitale Kommunikation kann diese Wirkung nicht vollständig abbilden. Sie reduziert soziale Interaktion häufig auf Worte oder Bilder und nimmt ihr damit einen Teil ihrer emotionalen Intensität.
Nähe ist kein technisches Feature. Sie entsteht durch gemeinsame Präsenz und geteilte Momente.
Warum digitale Kommunikation trotzdem ihren Platz hat
Gleichzeitig ist digitale Kommunikation aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglicht Beziehungen über große Entfernungen hinweg, erleichtert den Alltag und hält Kontakt auch dann aufrecht, wenn persönliche Treffen nicht möglich sind.
Entscheidend ist jedoch die Art der Nutzung. Digitale Kommunikation entfaltet ihren Wert vor allem dann, wenn sie persönliche Begegnungen ergänzt und nicht ersetzt. Sie kann Verbindung aufrechterhalten, Vorfreude erzeugen und Nähe vorbereiten, ohne vorzugeben, diese vollständig zu sein.
Ein bewusst geführtes Videogespräch kann emotionale Nähe fördern. Eine persönliche Nachricht kann Wertschätzung ausdrücken. Doch beides wirkt am stärksten, wenn es eingebettet ist in reale Begegnungen.
Ein bewusster Umgang mit Beziehungspflege
Der zentrale Gedanke des Artikels ist ebenso einfach wie anspruchsvoll. Beziehungen brauchen Investition. Sie brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und echte Präsenz.
Das bedeutet im Alltag, persönliche Treffen bewusst zu priorisieren, digitale Kommunikation gezielt und qualitativ einzusetzen und sich immer wieder klarzumachen, dass Kontakt nicht automatisch Nähe bedeutet.
Wer Beziehungen pflegen will, muss sich entscheiden, präsent zu sein. Nicht nur online, sondern im echten Leben.
Fazit
Technologie kann Verbindung ermöglichen, doch Beziehungen entstehen zwischen Menschen, nicht zwischen Bildschirmen. Digitale Kommunikation ist ein wertvolles Werkzeug, aber sie ersetzt keine echte Nähe. Wer emotionale Tiefe, Vertrauen und Verbundenheit sucht, wird sie vor allem dort finden, wo Menschen sich wirklich begegnen.
Autor: Simone Baur
Quellen:
Baumeister, R. F. et al. (2025). Socializing While Alone: Loss of Impact and Engagement When Interacting Remotely via Technology. Perspectives on Psychological Science
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